Themen: Industrie 4.0 weltweit

Die Inititative „Industrie 4.0“ wurde zwar in Deutschland gestartet, inzwischen haben aber bereits mehrere Länder das Thema aufgenommen und nationale Aktivitäten daraus entwickelt. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt eine aktuelle Übersicht.

Deutschland

Die ersten gemischten Arbeitsgruppen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beschäftigten sich bereits 2011 mit dem Thema der digitalisierten und vernetzten Wertschöpfungsketten. Aus dieser Arbeit entstand der Begriff „Industrie 4.0“. An der Hannovermesse 2013 wurden die Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ Kanzlerin Angela Merkel übergeben. Gleichzeitig wurde die Plattform Industrie 4.0 gestartet, welche von den Branchenverbänden VDMA, ZVEI und BITKOM getragen wird.

Anlässlich der Hannovermesse 2015 wurden die bisherigen Arbeiten der Plattform in einem Bericht zusammengeführt und als Umsetzungsstrategie Industrie 4.0 vorgestellt. Die Trägerschaft der Plattform wurde auf die Stakeholder Wirtschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erweitert und der Leitung durch die Bundesminister Sigmar Gabriel und Johanna Wanka unterstellt.

In fünf Arbeitsgruppen (Referenzarchitektur, Standardisierung und Normung / Forschung und Innovation / Sicherheit vernetzter Systeme / rechtliche Rahmenbedingungen / Arbeit, Aus- und Weiterbildung) werden zunächst die inhaltlichen Schwerpunkte der Plattform erarbeitet.

Mit den Aktivitäten wird eine duale Strategie verfolgt:

  • Die deutsche Ausrüsterindustrie soll weiterhin führend auf dem Weltmarkt bleiben und zum Leitanbieter für intelligente Produktionstechnologien werden.
  • Die Produktion in Deutschland soll durch effiziente und ressourcenschonende Produktionstechnologien attraktiv und wettbewerbsfähig weiterentwickelt werden.

Niederlanden

Ein Konsortium aus Forschungsorganisationen, dem Wirtschaftsministerium und Wirtschaftsverbänden haben 2014 unter dem Titel „Smart Industry“ einen Bericht über die Bedeutung der vierten industriellen Revolution für die Niederländischen Stakeholder veröffentlicht.

Die Niederlande haben die Absicht, bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse eine weltweit führende Rolle zu spielen. Dazu soll auf den Stärken der niederländischen KMU-Industrie aufgebaut werden. Mit einem „Action Plan“ soll dieses Ziel erreicht werden. Dieser Plan hat drei Elemente:

  • Nutzung der bestehenden Kompetenzen
  • „Field Labs“ als Innovationsbeschleuniger
  • Stärkung der Voraussetzungen (Wissen, Bildung, ICT)

Die ersten Field Labs sind bereits eingerichtet, insgesamt zehn sind geplant. In den Field Labs werden Use Cases in bestimmten Anwendungsgebieten untersucht und entwickelt. Dabei wird auf interdisziplinäre Ansätze und die Vernetzung der relevanten Akteure gesetzt.

Schweden

Unter der Leitung des schwedischen Verbandes der Maschinen- und Elektroindustrie Teknikföretagen wurde zusammen mit Hochschulen eine Vision für die Produktion in Schweden im Jahre 2030 entwickelt. Der Bericht trägt den Titel „Made in Sweden“. Dabei wird auf Themen wie Hochtechnologie und Nachhaltigkeit Wert gelegt. Selbstverständlich spielen aber auch die Entwicklungen, wie sie durch Industrie 4.0 beschrieben sind, eine grosse Rolle. Entsprechend sind Themen wie “Flexible manufacturing processes”, “Virtual production management and planning”, “Product and production-based services” und “Integrated product and production development” in den sechs Schlüsselfeldern enthalten.

Frankreich

Unter dem Begriff “Usine du futur“ ist in Frankreich ebenfalls eine Initative angelaufen, die sich an Industrie 4.0 orientiert. Unter der Federführung der „Fédération des Industries Mécaniques FIM“ und mit Einbezug des Technologiezentrums für die Maschinenindustrie und der Normungsorganisation für den Maschinenbau wird ein Konzept für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit erarbeitet. Ein erster Stand wurde Ende 2014 dem Parlament präsentiert. Das Ziel ist die Erstellung eines Leitfadens, der die Unternehmen bei ihren Aktivitäten unterstützen soll.

Vereinigte Staaten

Als „Heimat“ der ICT-Industrie haben in den USA früh verschiedene, vor allem von Unternehmen getriebene, Aktivitäten begonnen. Diese beschäftigen sich aber hauptsächlich mit den ICT-Technologien und weniger mit den Produktions- und Wertschöpfungssystemen. So wurde durch verschiedene führende Technologieunternehmen das Industrial Internet Consortium ins Leben gerufen. Die US-Regierung hat im Jahr ein sehr umfangreiches Programm zum Wiederaufbau und zur Entwicklung der hochwertigen, fertigenden Industrie lanciert. Das Programm Advanced Manufacturing  wurde bislang mit USD 2 Milliarden gespeist und bildet ein riesiges Netzwerk von Verwaltungsorganisationen, Forschungsinstitutionen und Unternehmen. Der Themenbereich ist sehr weit gesteckt. Ein Teilprogramm, dass sich spezifisch den Konzepten von Industrie 4.0 widmet ist im Moment nicht auszumachen.

Japan

Die Entwicklungen in Deutschland werden von den japanischen Unternehmen aufmerksam beobachtet. Verschiedene Berichterstatter sind sich einig, dass die Konzepte von Industrie 4.0 für japanische Firmen eine enorme Herausforderung sein werden. Der Erfolg der japanischen Industrie beruht auf innengerichteten Sichtweisen, selbstentwickelten Technologien und Black-box Ansätzen. Die Vernetzung über die Unternehmensgrenzen hinweg erfordert damit eine eigentliche kulturelle Revolution in der japanischen Unternehmenswelt hin zur Offenheit, Kollaboration und Vernetzung.