Charta

Der Begriff Industrie 4.0 wurde 2012 durch die gleichnamige deutsche Zukunftsinitiative geprägt und hat sich international etabliert. Jedoch hat die hohe Präsenz des Themas in den Medien, auf Marketinginstrumenten und an zahlreichen Veranstaltungen zu verschiedenen Interpretationen und Verständnissen geführt. Zudem haben verschiedene parallele Trends (wie z.B. Internet of things, Additive manufacturing usw.) zu einer weiteren Verwässerung des eigentlichen Grundgedankens von Industrie 4.0 beigetragen. Aus diesem Grund ist es für ein gemeinsames Vorgehen wesentlich eine übergeordnete und einheitliche Sichtweise von Industrie 4.0 aufzubauen und zu etablieren. Ein Instrument dazu bildet die Charta „Industrie 2025“. Diese ist als Denkmodell zu verstehen und beinhaltet Vision und Handlungsfelder. Sie orientiert sich am Werkplatz Schweiz auf Basis der Digitalisierungs- und Vernetzungsansätze von Industrie 4.0.

Die Vision jedes Unternehmens basiert auf vier Pfeilern:

Digitalisierte und vernetzte Wertschöpfungsketten ermöglichen ein schnelles Reagieren auf Marktbedürfnisse oder veränderte Produktionsbedingungen und führen zu optimaler Produktionsauslastung.Durch eine flexible Produktionsinfrastruktur kann der Fokus auf die Produkte mit der höchsten Nachfrage gelegt werden – und bei Bedarf können Produktionsschritte an Firmen im Netzwerk ausgelagert werden. Lagerzeiten oder lange Lieferzeiten lassen sich vermeiden, wenn in Echtzeit in Produktionsabläufe eingegriffen werden kann.                 

Digitalisierte und vernetzte Wertschöpfungsketten ermöglichen die Fertigung von Unikaten und Kleinserien zu ähnlichen Kosten wie in der Serienproduktion.Die Möglichkeit der Einflussnahme auf jeden Schritt im Produktionsprozess erlaubt eine Spezifizierung unabhängig von der Losgrösse. Produkte mit einem hohen Individualisierungsgrad ermöglichen es, optimal auf Kundenbedürfnisse einzugehen – dies festigt die Marktposition und eröffnet neue Märkte.

Digitalisierte und vernetzte Wertschöpfungsketten ermöglichen neue Geschäftsmodelle.Durch neue Vermarktungs-, Verkaufs-, Vertriebs- und Unterhaltsmodelle können die Möglichkeiten, die durch digitalisierte und vernetzte Prozesse entstehen, in einen Marktvorsprung umgewandelt werden – dies gilt sowohl in Bezug auf die Produkte als auch auf das generierte Produktions-Know-how.

Durch laufende Innovation und Entwicklung von spezifischem Know-how im Bereich digitalisierte und vernetzte Wertschöpfungsketten entsteht die Chance, neue Märkte zu besetzen.Die Wettbewerbsfähigkeit ist nicht allein durch das Implementieren vernetzter Wertschöpfungsketten gewährleistet. Es gilt, innovative Technologien und produktionsspezifisches Know-how in Zusammenarbeit mit der Forschung laufend selbst zu entwickeln, sie im Bereich der Prozessgestaltung anzuwenden und dadurch neue Märkte zu erschliessen. So kann der Werkplatz Schweiz weiterhin eine führende Position auf der globalen Karte besetzen.

Anstehende Investitionen und Massnahmen basieren auf vier Handlungsfeldern:

Eine Digitalisierung von Geräten und Systemen ist die Grundlage für die Umsetzung vernetzter Wertschöpfungsketten.Um automatisierte und flexible Produktionsprozesse umzusetzen, braucht es digitalisierte Geräte und Systeme, die autonom kommunizieren. Diese Voraussetzungen sind heute zum Teil bereits vorhanden, müssen jedoch besser genutzt und weiter ausgebaut werden.

Eine sinnvolle Vernetzung von Geräten und Systemen ermöglicht die intelligente Steuerung von Produktionsprozessen – dies schafft Transparenz, einen hohen Individualisierungsgrad und eine höhere Produktivität.In einem vernetzten Produktionsprozess kommunizieren Systeme und Geräte untereinander, um Arbeitsschritte zu koordinieren sowie den Unterhalt und die Instandhaltung selbst zu organisieren und zu veranlassen. So entstehen innerhalb einer Firma und über mehrere Unternehmen hinweg Wertschöpfungsketten, welche intelligent gesteuert werden können.

Durch die Sammlung, Archivierung und Interpretation von Daten wird Produktions-Know-how generiert und zugänglich gemacht.Vernetzte Geräte und Systeme ermöglichen es, Daten zur Produktion laufend zu sammeln und daraus Produktions-Know-how zu generieren. Dies hilft, die Komplexität vernetzter Wertschöpfungsketten zu beherrschen und Prozesse kontinuierlich und sinnvoll zu optimieren.

Die sinnvolle Vernetzung des gesamten Lebenszyklus eines Produkts ermöglicht eine effizientere Produktion und Beschaffung und bietet einen entscheidenden Mehrwert nach dem Verkauf.Der Mehrwert eines Produkts kann erheblich erhöht werden, wenn alle Prozesse von der Konzeption über die Produktion und den Unterhalt bis hin zur Entsorgung direkt aneinander gekoppelt sind und automatisiert aufeinander reagieren können. Die Schwerpunkte liegen hierbei in der Beschaffung und der Produktion, wo die Vernetzung zu einer höheren Effizienz beiträgt, sowie im Aftersales, wo durch Vernetzung ein entscheidender Mehrwert für den Kunden geschaffen werden kann.